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Marokko: Recht auf Gesundheit, Bildung und ein würdiges Leben

Der Tod von acht schwangeren Frauen innerhalb von zehn Tagen, die in einem Krankenhaus in Agadir nach ihrer Entbindung durch einen unter katastrophalen hygienischen Bedingungen vorgenommenen Kaiserschnitt gestorben waren, hat eine Welle von Demonstrationen und Protesten im ganzen Land ausgelöst. Am 14. September hatten erstmals zahlreiche Menschen vor dem betroffenen Krankenhaus demonstriert. Sie beklagten Kakerlaken im OP-Trakt, wiesen auf fehlendes Verbandsmaterial hin und dass sie OP-Kittel und benötigte Spritzen selber mitbringen müssten.

Eine Woche später wurden Sit Ins in Tiznit und Essaouira von der Polizei aufgelöst. Weitere größere Demonstrationen in den Zentren Rabat, Casablanca, Agadir, Tétouan und Marrakech folgten. Die Teilnehmer*innen kritisieren insbesondere die Missstände im öffentlichen Gesundheitswesen und Bildungsbereich und vergleichen dies mit den enormen Geldsummen, die in den Bau von neuen Stadien für die bevorstehende Afrikameisterschaft und die 2030 auch in Marokko ausgetragene Fußball-WM gesteckt werden. Sie fordern ein Recht auf Gesundheit, Bildung und ein würdiges Leben.

Ähnlich wie bei den Aufständen in Nepal, Indonesien oder Madagaskar bezeichnen sich die jungen Demonstrant*innen als ‚Generation Z‘ – allerdings mit dem Zusatz 212, der auf die telefonische Vorwahl von Marokko verweist. Sie sind wie ihre Genoss*innen aus den anderen Ländern nicht im offiziellen politischen System repräsentiert und organisieren sich in Echtzeit über die digitalen Netzwerke.

Die mittlerweile abflauenden Proteste verlaufen sehr unterschiedlich. Spontane friedliche Versammlungen wie die vor dem Parlament in Rabat passieren ebenso wie ein improvisiertes Sit In auf einer Autobahn in Casablanca. Immer wieder treffen sich dezentral ‚spontan‘ kleinere kaum hundert Personen umfassende Gruppen – ebenso wie sich Protestzüge mit hunderten von Teilnehmer*innen formieren, um ihre Forderungen öffentlich zu machen. Andererseits griffen an zahlreichen Orten vermummte Demonstrant*innen Polizeikräfte mit Steinen an. In der Ortschaft Salé setzten sie eine Bankfiliale in Brand und plünderten einen Supermarkt. In Taroudant drangen Protestierende in den Sitz der Präfektur ein, um sie anzuzünden. Bei dem Versuch, in die königliche Gendarmerie von Lqliâ zu stürmen, wurden zwei Personen von Sicherheitskräften erschossen.

Die Hoffnung eines Teils der Protestierenden auf Unterstützung durch König Mohammed VI erfüllte sich allerdings nicht. In seiner traditionellen Rede zur Parlamentseröffnung am 10. Oktober ging der Monarch nur indirekt auf die Protestbewegung ein. Der Aufforderung, das Parlament vorzeitig aufzulösen und so der jetzigen Regierung unter ihrem unbeliebten Chef Aziz Akhannouch ein vorzeitiges Ende zu bereiten, kam er nicht nach.

https://www.jeuneafrique.com/1726117/politique/manifestations-au-maroc-5-questions-pour-comprendre-le-mouvement-genz212/

https://www.jeuneafrique.com/1725812/politique/au-maroc-les-manifestations-spontanees-du-collectif-genz-212-se-poursuivent/

https://medias24.com/2025/10/02/genz-les-protestations-basculent-dans-la-violence-dans-plusieurs-villes/

https://www.jeuneafrique.com/1727420/politique/manifestations-au-maroc-le-gouvernement-propose-le-dialogue-genz212-appelle-a-sa-dissolution/

https://www.jeuneafrique.com/1727012/politique/manifestations-au-maroc-le-mouvement-se-durcit-deux-morts-a-leqliaa/

https://epaper.nzz.ch/article/783/783/2025-10-08/3/336237651?signature=300831bc384c9393390dcf9797e2ea8745db2613f6a8334c9a31e063ac521b5d

https://www.jeuneafrique.com/1727012/politique/manifestations-au-maroc-le-mouvement-se-durcit-deux-morts-a-leqliaa/

https://www.theguardian.com/world/2025/oct/01/violence-morocco-anti-government-protests-gen-z

https://www.jeuneafrique.com/1729610/politique/face-aux-manifestations-le-maroc-suspendu-a-la-prise-de-parole-de-mohammed-vi/

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