Bei landesweiten Protesten gegen die Präsidentschaft- und Parlamentswahlen vom 29. Oktober wurden vermutlich mehrere hundert Menschen von den Sicherheitskräften erschossen. Nachdem die wichtigsten Oppositionsparteien mitsamt ihren Vorsitzenden nicht zu den Wahlen zugelassen wurden, gingen in ganz Tansania Tausende Menschen auf die Straße. In der Wirtschaftsmetropole Daressalam skandierten die Demonstrationsteilnehmer*innen ‚Wir wollen unser Land zurück‘, zerstörten Wahlbanner von Präsidentin Samia Suluhu Hassan und setzten Regierungsgebäude sowie eine Polizeistation in Brand. Die Sicherheitskräfte reagierten darauf mit Schüssen aus scharf geladenen Waffen. Zudem blieben die Internetverbindungen für fünf Tage unterbrochen.
Nach Veröffentlichung der offiziellen Wahlkommission hat die amtierende Präsidentin bei einer angeblichen Wahlbeteiligung von 87 Prozent 97,66 Prozent der Stimmen erhalten. Das Ergebnis wurde von der Opposition als ‚Parodie auf die Demokratie‘ bezeichnet.
Schon im Juni dieses Jahres hatten die Vereinten Nationen in einem Bericht zur Menschenrechtslage die tansanischen Sicherheitsbehörden mit dem ‚Verschwinden‘ von über 200 Personen seit 2019 in Verbindung gebracht und für die Wahlen vor zunehmender Repression gewarnt.