Während heftiger Auseinandersetzungen zwischen Student*innen und Sicherheitskräften am 09. Februar auf dem Campus der Cheik Anta Diop Universität in Dakar starb der 20-jährige Medizinstudent Aboulaye Ba. Auf einer Pressekonferenz am 17.02. in Dakar erklärte der Generalstaatsanwalt seine tödlichen Verletzungen mit den Folgen eines erzwungenen Sprungs aus einem Zimmer im vierten Stock des Studentenwohnheims. Eine von den Sicherheitskräften in das Gebäude geschossene Tränengasgranate hatte den Raum in Brand gesetzt, so dass es aufgrund blockierter Notausgänge keine andere Möglichkeit gab, den Flammen zu entkommen. Der Aufschlag auf den Asphalt führte nach Ausführung der Staatsanwaltschaft zu seinem Tod.
Hintergrund der Geschehnisse auf dem Campus der größten Universität Senegals bilden Rückstände von dreizehn Monaten bei der Auszahlung staatlicher Stipendien. Nachdem auch die Demonstrationen im November letzten Jahres nicht zu einer Lösung dieses Problems geführt hatten, rief für Anfang Februar das ‚Kollektiv der universitären Studierendenvertretungen‘ dazu auf, die Mahlzeiten in den Universitätsrestaurants nicht zu bezahlen. Auf deren von der Regierungsseite daraufhin angeordneten Schließung antworteten die Student*innen am 6. Februar mit Demonstrationen und einer Blockade der universitären Verwaltung. Der Tod von Abdoulaye Ba drei Tage später war verbunden mit einer Gewalteskalation durch die Polizei. Nach Beschuss von Wohnheimen mit Tränengasgranaten blieb vielen Bewohner*innen nur noch die Flucht übers Dach. Betende mussten aus den gleichen Gründen die Universitätsmoschee schnellstens verlassen. Am 10. Februar protestierten in Reaktion auf die Ereignisse von Dakar auch Student*innen der Universitäten von Saint Louis und Ziguinchor.
Die landesweiten Unruhen bringen zusammen mit dem gewaltsamen Tod von Abdoulaye Ba die linke von der PASTEF gebildete Regierung erstmals seit ihrer Wahl vor knapp zwei Jahren in Bedrängnis. Die Jugend und insbesondere die Student*innen waren mit ihrem Widerstand 2024 maßgeblich daran beteiligt, eine verfassungswidrige Verlängerung der Amtszeit des zunehmend autoritär regierenden damaligen Präsidenten Sall zu verhindern.
https://fr.allafrica.com/stories/202602130119.html
https://laviesenegalaise.com/violents-affrontements-a-lucad-entre-etudiants-et-forces-de-lordre/
https://www.seneplus.com/article/tension-lucad-apres-la-fermeture-des-restaurants